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Geschichte

Geschichten und Bilder aus vergangenen Zeiten

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D

er Ringkampf

Eine Zweikampfart, sicherlich so alt wie die Menschheit selbst.
Damals hatte das alles natürlich noch nichts mit „Sport“ zu tun. Es war vielmehr so, dass beim Kampf von Mann zu

Mann Familien verteidigt und Rivalitäten ausgetragen wurden. Der Kampf war Mittel zum Zweck, um die Herausforderungen
des Lebens zu bestehen. Er diente dem Angriff und der Verteidigung gleichermaßen und half einen neuen hierarchischen
Platz innerhalb einer sozialen Gruppe einzunehmen oder den alten zu verteidigen. Mit der Entdeckung und Entwicklung der
ersten primitiven Waffen änderte sich der Status des waffenlosen Kampfes. Während der Kampf mit Waffen nicht selten mit
schweren oder gar tödlichen Verletzungen der Kontrahenten endete, diente der waffenlose Kampf als Beweis der Kraft, der
Ausdauer und der Geschicklichkeit. Der Sieger erntete den Ruhm und die Anerkennung der Anderen. So bildeten sich nach
und nach verschiedene Arten des Zweikampfes in den verschiedenen Kulturen heraus, die jedoch alle ihren Ursprung im
„Ringkampf“ fanden.
Die ersten Völker bei denen der Ringkampf eine große Bedeutung hatte waren die Chinesen, Ägypter, Griechen und
Assyrier.
Erste Spuren wurden aus der Zeit etwa 4000 v.Chr. bei den nomadischen Steppenvölkern Asiens gefunden. Etwa 3400
v.Chr. fand erstes systematisches Ringertraining von ägyptischen Soldaten statt, die auch Kämpfe vor Zuschauern bestritten.
Und 3000 v.Chr. entstanden in China Ringerschulen mit festgelegten Griffen.
Im Jahre 708 v.Chr. wurde Ringen als fünfte Disziplin neben Sprung, Lauf, Diskuswurf und Speerwurf in das olympische
Programm aufgenommen. Es war die Entscheidungsdisziplin im antiken Fünfkampf bei der es feste Regeln gab. Verboten
waren Kratzen, Beißen, Schlagen mit der Faust, Bestechung und Zauberei. Gewichtsklassen und Zeitlimit gab es nicht.

Verlierer war derjenige der zum dritten mal zu Boden gegangen oder kampfunfähig war.
Im Jahre 20 v.Chr. berichten römische Dichter von Mädchen-Ringkämpfen in Sparta.
Sehr viel später, nämlich 1894 u.Z. erreichte Pierre de Coubertin die Gründung des Olympischen Komitees beim Pariser Internationalen Kongress für Leibeserzie-
hung. Mit dem Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen wurde auch der Ringkampf in das olympische Programm aufgenommen. Ausgetragen wur-
de er im Griechisch-Römischen Stil.
1904 in St. Louis kam das Freistilringen dazu.
2004 wurde in Athen erstmals das Frauenringen als Olympischer Wettbewerb im Freien Stil ausgetragen.

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ann und durch wen der Ringkampfsport in das Geiseltal Einzug hielt ließ sich nur noch wage herausfinden. Fest steht,
das sich nach dem ersten Weltkrieg, mit beginn der zwanziger Jahre, hier in unserer Region Familien aus Bayern an-
siedelten um im aufstrebenden Chemie- und Braunkohlengebiet Arbeit zu finden und sich eine Existenz aufzubauen.

 Fest steht auch, dass am 20.01.1920 der Kraftsportverein „Aberg“ von Bergarbeitern des Werkes „Pfännerhall“ gegründet
wurde. (Datumsangabe aus dem Buch “Unser Braunsbedra” vom GeigerVerlag, aus dem Jahr 1992) Ob sich nun noch eine
eigenständige Ringerabteilung bildete oder ob sie aus dem Kraftsportverein hervorging ist bisher unklar. Doch ein junger
Mann, Namens Xaver Simeth, spielte dabei wohl eine große Rolle. Der bisher einzige Nachweis über das Gründungsdatum

der Ringerabteilung ist das Bild einer Kohlezeichnung aus dem Jahr 1972, zum 50-
Jährigen Bestehen.
In der Region sehr bekannte Ringer aus der Zeit vor dem 2. Weltkrieg waren Paul
und Willi Burkhardt sowie Albert Sachse, der sich auch unter dem Namen “Roter
Teufel” einen Namen machte.
Während des Krieges kam die sportliche Aktivität auch im  Geiseltal nahezu zum Er-
liegen. Ein Trainings- oder gar Wettkampfbetrieb war unmöglich.

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ach dem 2. Weltkrieg erlebte auch der Ringkampfsport im Geiseltal wieder einen enormen Aufschwung. Verantwortliche Trainer aus dieser Zeit waren Xaver
Simeth und Paul Burkhardt. Aus dem Schülerbereich von 1947 sind z.B. Namen bekannt wie Herbert Müller, Heinz Wirsing, Achim Wirsing, Ferdinand Back,
Werner Schlamminger und Horst Kaselitz. Im Jugendbereich kämpften damals z.B. Heinz Gerber, Georg Schumann, Siegfried Bayer und die Gebrüder

Kämmerer. Und vor allem sie waren es, die immer wieder Erfolge erringen konnten. Sowohl Edgar und Gerhard Kämmerer,
als auch Fred Kämmerer erkämpften sich bei Landesmeisterschaften und Spartakiaden einen guten Ruf.
Im Bild rechts ist Fred Kämmerer als dritter von rechts, nach der Landesmeisterschaft 1949 im Klassischen Ringkampf zu
sehen.

Mit Beginn der 50-er Jahre hatten Edgar und Fred zunehmend auch ein Wörtchen im
DDR-Maßstab mitzureden. So gelang es Edgar Kämmerer 1954 zum ersten mal
DDR-Meister im Fliegengewicht - Freier Ringkampf zu werden. Bis 1963 konnte er
1x den 3. Platz, 2x den 2. Platz und 2x den 1. Platz bei DDR-Meisterschaften erkäm-

pfen. Erst später in den Fünfzigern gesellte sich auch Gerhard Kämmerer zu
den Erfolgen dazu. Er konnte dann im Jahr 1961 gleich 2x DDR-Meister im
Bantamgewicht werden. Einmal im Freien Ringkampf und einmal im Klassi-
schen Ringkampf.
Doch der Erfolgreichste von allen dreien war zweifellos  Fred Kämmerer.
Über ihn muss an dieser Stelle auch näher eingegangen werden.
Bevor Fred seine ganz großen Erfolge feiern konnte, musste er ein tiefes Tal
durchlaufen. Bei einem Arbeitsunfall 1951 wurde ihm der linke Vorderfuß von

einem Zug abgefahren. Seine Karriere als Ringer war damit in weite Ferne gerückt. Aber Fred
Kämmerer ließ sich nicht unterkriegen. Seiner Zähigkeit und seinem Kampfeswillen ist es zu
verdanken, dass er auf die Wettkampfbühne zurückkehrte. Mit einem Spezialschuh bestritt er
von da an seine Kämpfe und 1954 war er soweit. Fred folgte seinem Bruder Edgar an den

Sportclub Chemie Halle-Leuna und wurde im gleichen Jahr das erste mal DDR-Meister im Freien Stil im Bantamgewicht. Ebenfalls noch im
gleichen Jahr wurde er Sieger beim Werner- Seelenbinder Turnier in Leipzig. In den Jahren danach, bis 1963, folgten noch 10 weitere DDR-

Meistertitel im Freien Ringkampf im Bantam- oder Federgewicht. 1961 kam ein 3. Platz im
Griechisch-Römischen Stil, ebenfalls im Federgewicht dazu. Fred Kämmerers internationale
Karriere begann 1956. In diesem Jahr fanden die XVI. Olympischen Spiele in Melbourne statt
und Fred gehörte zu den Sportlern, die im Rahmen einer gesamtdeutschen Mannschaft nomi-
niert wurden. Eine Medaille bei diesen Olympischen Spielen zu erkämpfen gelang Fred nicht,
doch er kehrte mit einem 5. Platz im Griechisch-Römischen Stil und einem 6. Platz im Freien
Stil, jeweils im Bantamgewicht, nach Hause. Damit hatte er seine Aufgabe mehr als erfüllt.

Seine zweiten Olympischen Spiele durfte Fred im Jahr 1960 in Rom erleben. Da auch dort noch eine gesamtdeutsche
Mannschaft an den Start ging, wurden dieses mal Qualifikationswettkämpfe zwischen Sportlern aus der BRD und der
DDR durchgeführt. Dabei konnte sich Fred überlegen durchsetzen. In Rom hatte er am Ende 2 Siege und 2 Niederla-
gen auf seinem Konto. Damit erreichte er schließlich den 9. Platz. Auch zu weiteren internationalen Wettkämpfen wur-
de Fred Kämmerer eingesetzt. So konnte er z.B. 1956 bei einem Wettkampf in Budapest den 3. Platz erkämpfen. 1957
bei einem Turnier in Jena belegte er den 1. Platz. 1958 beim Welt-Cup in Sofia erreichte er den 10. Platz, genau so wie
bei der WM 1959 in Teheran. 1962 folgte ein 2. Platz bei einem internationalen Turnier in Aue und der 1. Platz beim in-
ternationalen Werner-Seelenbinder Turnier in Leipzig.
Im gleichen Jahr kehrte Fred Kämmerer zusammen mit seinem Bruder Edgar vom Sportclub Chemie Halle-Leuna zu-
rück zum Heimatverein BSG Aktivist Geiseltal-Mitte. Beide übernahmen dort unter anderem Trainer- und Übungsleiter-
aufgaben bei der nächsten Generation, die sich anschickte, in die gleichen Fußstapfen zu treten wie die Trainer.
1963 nahm Fred Kämmerer an seiner letzten WM teil. Sie fand in Sofia statt und er belegte dort mit einem Sieg und

zwei Niederlagen den 12. Platz.
Gleichzeitig nahm er dort Verbindung zu Sportlern des KSV Efferen auf, um seine Flucht aus der DDR zu organisieren. Diese erfolgte am 4. August in einem präpa-
rierten Kleinbus. Von da an setzte Fred seine Ringerkarriere in der BRD beim KSV Efferen fort und war dort später auch als Trainer tätig. In den Jahren 1964 und
1965 wurde Fred Kämmerer Deutscher Vizemeister der BRD. Für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio konnte er sich nicht mehr qualifizieren.

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it Beginn der 60-er Jahre schickte sich bereits die nächste Generation junger Sportler an, in die Fußstapfen der erfahrenen Trainer zu treten. Wie schon er-
wähnt waren diese Trainer Edgar Kämmerer und bis 1963 auch Fred Kämmerer. Bei Wettkämpfen im Schüler- und Jugendbereich tauchten jetzt Namen auf
wie Wolfgang Müller, Wolfgang Quente, Erhard Bierschenk, Siegfried Germann, Arno Dübler, Reiner Staschik, Hartmut Kaiser, Lothar Hartisch, Jürgen

Seibicke, Helmut Wolf, Dietmar Klose, Peter Sadlo, Georg Jung, Günter Trommler, Jürgen Pfannschmidt und nun auch der
vierte der Kämmerer Brüder, Adolf Kämmerer. Doch nicht nur bei den Wettkämpfern fand nach und nach ein Generations-
wechsel statt. Auch in der Vereins- und Sektionsleitung wurde eine Umstrukturierung durchgeführt. Der von 1953 bis 1957
als BSG Vorsitzende tätig gewesene Rudolf Burkhardt wurde im September 1963 zum Sektionsleiter der Sektion Ringen ge-
wählt. Später wurde er auch Mitglied im Präsidium des Ringerverbandes und Vorsitzender der Revisionskommission.
Das gute Training der erfolgreichen Übungsleiter zahlte sich mehr und mehr aus. Immer bessere Platzierungen heimsten
die jungen Ringer der BSG Aktivist Geiseltal-Mitte bei Wettkämpfen ein. So konnte z.B. Erhard Bierschenk 1962 den 1. Platz bei der Bezirksmeisterschaft im Freien Stil der Jugend B bis 67 kg belegen. Doch nicht nur die jungen Wilden, auch die Trai-

Trainer waren immer noch aktiv auf der Matte. Im Oktober 1963 fand in Leipzig das 10. Internationale
Werner-Seelenbinder-Turnier statt. Dort stellten die Braunsbedraer Ringer sage und schreibe 14
Aktive. Im gleichen Jahr, also 1963, feierte Erhard Bierschenk seinen ersten DDR-Meistertitel im
Freien Ringkampf der Jugend A bis 62 kg.
Helmut Wolf wurde, wie schon im Jahr zuvor, zweiter bei der DDR-Meisterschaft im Freien Ring-
kampf und im Jahr 1964 schaffte er es, sich den DDR-Meistertitel im Freien Stil bis 87 kg zu erkäm-
pfen.
Ebenfalls 1964 wurde Wolfgang Quente Bezirksmeister der Jugend B bis 57 kg in beiden Stilarten.
Die zweite Hälfte der Sechziger war eine sehr bewegte und zugleich sehr Erfolgreiche Zeit für die
Ringer der BSG Aktivist Geiseltal-Mitte und das nicht nur bei Einzelwettkämpfen. Auch in die 1959
gebildete 1. Mannschaft der Geiseltaler Ringer kam nun Bewegung. Die bis dahin in der Bezirksliga

kämpfenden Sportler schafften am 1. und 2. Mai 1965 nicht nur den Sieg beim Ringer-Mannschaftsturnier der Wartburgstadt Eisenach und
holten damit den „Wartburg-Pokal“ nach Braunsbedra, sondern sie schafften auch den Aufstieg in die zweithöchste Klasse der Ringer-Ligen,
die DDR-Liga. Auf dem Bild unten ist die Mannschaft von 1965 mit zum Teil noch sehr jungen Sportlern zu sehen.

In diesem Jahr feierten die damals 16-Jährigen Wolfgang Müller und Wolfgang Quente ihre ersten
großen Einzelerfolge. Beide waren Bezirksmeister und damit startberechtigt bei der DDR-Meister-
schaft. Dort erkämpfte W. Quente in beiden Stilarten den 1. Platz im Limit bis 62 kg. W. Müller schaff-
te es im Klassischen Ringkampf bis 67 kg auf den 3. Platz.
Viele der erfolgreichen Sportler wurden in dieser Zeit auch zu Sportclubs deligiert, um dort noch bes-
ser trainieren zu können. So verschlug es z.B. Erhard  Bierschenk und Adolf Kämmerer zum ASK
Vorwärts Rostock. Helmut Wolf, Wolfgang Quente, Wolfgang Müller, und Hartmut Kaiser trainierten
beim SC Chemie Halle. Gerhard Kämmerer war beim ASK Vorwärts Neubrandenburg. Nach der Zeit
auf der Sportschule kehrten sie in der Regel wieder zu ihrem Verein zurück um dort entsprechende

Aufgaben zu übernehmen. So geschehen bei Erhard Bierschenk, und Adolf Kämmerer. Sie übernahmen das Training für
den Schülerbereich in der Sektion Ringen der BSG Aktivist Geiseltal-Mitte. Auch Siegfried Germann übernahm ab 1962 eine
Übungsleiterfunktion im gleichen Altersbereich. Andere schlugen eine Trainerlaufbahn bei den Sportclubs ein. So entwickel-
te sich Helmut Wolf zum Top-Trainer für den Bereich Ringen beim SC Chemie Halle. Viele spätere DDR-Meister und auch
internationale Kader sind durch seine Hände gegangen. So z.B. Sven Thiele der unter seiner Anleitung im Jahr 1987 Vize-
Juniorenweltmeister in der Gewichtsklasse bis 100 kg werden konnte.

Ein weiteres Beispiel ist Wolfgang Quente, der nach Beendigung des Leistungs-
sports im Jahr 1974 auch die Trainerlaufbahn einschlug. Noch heute (Februar 2011)
ist er in Sachsen als Landestrainer tätig.
1966 ist das Jahr in dem die 1. Mannschaft der Geiseltaler Ringer aus der einjähri-

gen DDR-Liga in die Oberliga aufgestiegen ist. Dort konnte man das hohe Niveau über mehrere Jahre halten um dann noch
einen draufzusetzen.Die Mannschaft stieg für ein Jahr auf in die Sonderliga der DDR.
Eine Person sollte bei diesem Rückblick auf vergangene Zeiten auf keinen Fall  vergessen werden. Horst Kämmerer, der
fünfte Ringer aus der Kämmerer- Familie. Er hatte zwar nicht die großen Erfolge wie seine älteren Brüder und trainierte auch

nicht auf einem Sportclub. Doch sein Engagement in Sachen Kinder- und Jugendtraining war aller Ehren wert. Im Bild rechts ist Horst als vierter von links in einer Be-
zirksauswahl im Trainingslager in Bad Schmiedeberg zu sehen.

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Gleich zu Beginn des neuen Jahrzehnts hatte der Sektionsleiter der Geiseltaler Ringer, Rudolf Burkhardt eine verantwortungsvolle und
interessante Aufgabe übertragen bekommen. Vom 09.-14.06.1970 fanden in Berlin die Europameisterschaften im Freien und Klassi-
schen Ringkampf statt. Als Mitglied des Präsidiums des Ringerverbandes der DDR und Vorsitzender der Revisionskommission hatte

er die Aufgabe, die Sportler aus dem damals kapitalistischem Ausland zu betreuen.

Nachwuchsarbeit wurde Anfang der siebziger Jahre ganz groß geschrieben. Die ohnehin schon
sehr erfolgreiche Sektion Ringen erlebte im Schülerbereich, unter der Leitung von Erhard
Bierschenk, einen weiteren Aufschwung. Zum ersten Mal wurde am 10.06.1971, in  der damaligen
Wilhelm-Pieck-Oberschule, eine Schulmeisterschaft durchgeführt. Über 100 Jungen traten an und
kämpften um Urkunden und Wimpel. Die Meisterschaft wurde ein voller Erfolg und zahlreiche Inte-
ressierte baten um die Aufnahme in die Sektion Ringen der BSG Aktivist Geiseltal-Mitte. Das war
auch dringend notwendig, denn zwischen der Trainergeneration (Kämmerer-Brüder, Bierschenk,

Germann) und der Schülergeneration klaffte eine große Lücke. Nur wenige leistungsstarke Jugendliche waren der Sportart
treu geblieben. Zu wenige, um z.B. eine kampfstarke Mannschaft zu bilden. Doch eine funktionierende Mannschaft ist im
Ringkampfsport auch so etwas wie ein Zugpferd für die nachfolgenden Generationen. So kam es auch, dass die Mannschaft
von Aktivist Geiseltal-Mitte nach einem Abstieg in die unteren Ligen, den Wettkampfbetrieb im Jahr 1972 einstellen musste.
Nachwuchsarbeit war also angesagt und da war Erhard Bierschenk genau der Richtige. Die genannte Schulmeisterschaft
bildete sozusagen den Anfang einer neuen Ära. Viele junge Sportler sind in der Folgezeit zum Training gekommen und fast
so viele auch wieder gegangen. Hier alle Namen zu nennen ist ein schier aussichtsloses Unterfangen. Auf dem Bild links
sind einige dieser Sportler stellvertretend zu sehen.

Ein großes Jubiläum hatte die Sektion Ringen  im Juni des Jahres 1972 zu begehen.
50 Jahre gab es die Abteilung nun bereits und es war mit Sicherheit eine tolle Feier.

Diese Kohlezeichnung ist im übrigen der bisher einzige Nachweis über das genaue Alter der Abteilung Ringen.

Vom 20.-22. Juli 1973 fand in Suhl, in der gerade neu gebauten „Stadthalle der Freundschaft“, das 1.
Verbandstreffen des Deutschen Ringerverbandes der DDR statt. Es war die Hauptwettkampfstätte.
Weitere Wettkämpfe wurden in der Stadt verteilt auf insgesamt 20 Matten durchgeführt. Ca. 1600
Wettkämpfer in allen Alters- und Gewichtsklassen ermittelten damals die Sieger. Auch eine große
Delegation der Ringer von der BSG Aktivist Geiseltal-Mitte nahm an diesem Wettkampf teil und zum
ersten mal konnte sich Dirk Böhme bei einem Wettkampf im DDR-Maßstab durchsetzen. Er belegte
den 1. Platz. Im Jahr danach nahm Dirk an seiner ersten DDR- Meisterschaft teil. Diese fand am 09.
und 10.Februar 1974 in Merseburg statt und Dirk konnte nach langer Zeit wieder eine Goldmedaille

im Jugendbereich für die BSG Aktivist Geiseltal-Mitte im Ringkampfsport erkämpfen. Nach seiner Delegierung zum SC Chemie Halle folgten
drei weitere DDR-Meistertitel in den Jahren 1975, 1976 und 1977.
Sein Bruder Ingo Böhme erkämpfte zusammen mit Henry Benz am 13. und 14. Mai 1978 in Aue die Silbermedaille bei der DDR-Meister-
schaft der Jugend A. Ingo ging im gleichen Jahr ebenfalls zum Sportclub nach Halle. 1979 holte er sich die Bronzemedaille und 1980 in
Frankfurt/Oder wurde Ingo DDR-Meister.

Im Jahr 1975 musste Siegfried Germann (Bild rechts) seine Übungsleitertätigkeit leider aus beruflichen Grün-
den einstellen. Das tat der Trainingsarbeit aber nur kurzzeitig Abbruch. An seine Stelle trat Adolf Kämmerer.
Auch Horst Kämmerer und Bernd Jackubowski führten jetzt verstärkt das Training durch. Mit der Bildung eines
offiziellen „Trainingsstützpunktes Ringen“ (TS) in Braunsbedra im Jahr 1975, wurde der Nachwuchsarbeit in der
Sektion Ringen der sprichwörtliche I-Punkt aufgesetzt. Unterstützt wurde diese Maßnahme durch den damali-
gen Kreisfachausschuß Ringen (KFA), den Bezirksfachausschuß (BFA) und natürlich den Trägerbetrieb, das
Braunkohlenkombinat Geiseltal. Zum Leiter dieses Trainingsstützpunktes wurde Werner Böhme gewählt. Vier
mal pro Woche konnte jetzt trainiert werden, zum Teil sogar Sonntagsvormittag. Etwa 40 aktive Sportler im Alter
von  6-14 Jahren zählte die Sektion Ringen, z. B. im Jahr 1976. 1978 wurde die vorbildliche Nachwuchsarbeit in
der Zeitschrift „Schwerathletik“ positiv erwähnt. Das diese fleißige Trainingsarbeit ihre Früchte tragen mußte,
war nur eine Frage der Zeit.

Vielen der jungen Sportler gelang es, sich bis in die Bezirksspitze vorzukämpfen. Erste bis dritte Plätze belegten hier über
mehrere Jahre z.B. Arno Peltzer, Ingo Peltzer, Mathias Krüger, Egon Störer, Sigurd Kummer, Gunther Caspari, Uwe Nagel,
Gunnar Stöffgen, Ralf Heidrich, Uwe Gerth, Carsten Cechol, Henry Benz, Silvio Bierschenk, Holger Rotermund und natürlich
die schon genannten Böhme-Brüder. Sicherlich fehlen hier noch einige Namen, doch genauere Informationen sind zu die-
sem Zeitpunkt leider nicht verfügbar.
Neben Henry Benz und den Brüdern Böhme schafften es auch noch weitere Sportler bis auf vordere Plätze bei Wettkämpfen
im DDR-Maßstab vorzudringen. So erreichte z.B. Sigurd Kummer 1976 einen dritten Platz bei der DDR Meisterschaft der Ju-
gend B im Klassischen Ringkampf. Auch Ingo und Arno Peltzer konnten für kurze Zeit in der DDR-Spitze mitkämpfen. Platzie-
rungen sind hier leider nicht mehr bekannt.
Trainingslager wurden in dieser Zeit jährlich durchgeführt. Sehr oft, zusammen mit anderen Sektionen des Vereins oder als

reines Ringer-Lager mit anderen Vereinen des Kreises Merseburg. Zur Verfügung standen dazu die beiden Pionierlager des BKK Geiseltal in Bad Klosterlausnitz,
„Glück Auf“ und „Peter Göhring“. Aber auch Lager in Ziegenrück und Ilmenau standen mit zur Auswahl.
Die Kontaktaufnahme zum polnischen Ringerverein LKS „Piast“ Sierads war ein weiterer Schritt zu guten Erfolgen im Schülerbereich der Sektion Ringen. Mehrere

Vergleichswettkämpfe fanden sowohl in Braunsbedra als auch in Polen statt.
Noch eine Aktion wurde in der zweiten Hälfte der Siebziger Jahre ins Leben gerufen. Erhard Bierschenk hatte die Idee, öffent-
lich Werbung für den Ringkampfsport zu machen. Die talentiertesten Sportler trainierten dazu in der sogenannten Sportwer-
begruppe. Auftritte hatte man zum Beispiel am 1. Mai und zum Bergmannstag am 1. Sonntag im Juli des entsprechenden
Jahres. Auf dem Bild rechts ist ein Auftritt zum 1. Mai 1978 in Frankleben zu sehen.
Doch nicht nur die Ausbildung der jungen Sportler stand auf dem Plan. Übungsleiternachwuchs war ebenso gefragt. So wur-
den Ende der Siebziger Jahre mehrere Jugendliche auf entsprechende Lehrgänge geschickt um die Übungsleiterstufe 1 ab-
zulegen. Unter ihnen befanden sich auch Ingo Peltzer und Uwe Nagel. Das sich diese Maßnahme als sehr wichtig erwies
sollte sich bald herausstellen. Uwe Nagel übernahm im Jahr 1978 selbstständig eine Trainingsgruppe der 1. Klasse und
führte sie ein Jahr, bis Vater Staat ihn zum Wehrdienst rief. Danach übernahm diese Gruppe Ingo Peltzer.

Delegierungen zur Sportschule standen am Ende des Jahrzehnts und Anfang der Achziger ebenfalls noch einmal an. Carsten Cechol und Holger Rotermund hatten
sich entschlossen, von da an in Halle ihre sportliche Laufbahn fortzusetzen. Ihre sportlichen Erfolge hatten beide später in den achziger Jahren. So wurde Carsten in
den Jahren 1981 und 82 Vize-DDR Meister und 1983 - 85 dritter der DDR Meisterschaft. Ein zweiter Platz bei der DDR-Spartakiade rundete die Erfolgsbilanz ab.
Holger Rotermund belegte 1981, also noch vor seiner Zeit beim SC Chemie Halle, einen 3. Platz bei der DDR Meisterschaft.
1981 gab es einen schweren Einschnitt bei der Sektion Ringen. Erhard Bierschenk, der bisher alle Fäden in der Hand hielt, musste seine Tätigkeit als Übungsleiter
aus beruflichen Gründen aufgeben. Damit gab es eine riesengroße Lücke in der Leitung der Sektion, die auch in den Folgejahren nicht mehr geschlossen werden
konnte.

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nfang der achziger Jahre war Walter Rotermund als Sektionsleiter tätig. Als erfahrendster Übungsleiter stand Adolf  Kämmerer zur Verfügung. Beide versuchten,
wie man so schön sagt, die Truppe beieinander zu halten. Doch das war schwer. Viele der Jugendlichen hatten nach dem Weggang von Erhard Bierschenk ihre
Bezugsperson verloren und kehrten dem Ringkampfsport den Rücken. Auch Trainingsausfälle trugen dazu bei, dass die Zahl der Sportler immer weniger

wurde.
Als Uwe Nagel im Frühjahr des Jahres 1982 von der Armee zurückkehrte war die Sektion Ringen auf ca. 10-12 Sportler geschrumpft. Jugendliche über 14 Jahre zähl-
ten überhaupt nicht mehr zu den Aktiven. Der Trainingsstützpunkt existierte zwar noch, aber es bestand dringender Handlungsbedarf.
Uwe erklärte sich bereit, in der Sektion als Hauptübungsleiter tätig zu werden. Für einen jungen Mann von 21 Jahren und nur sehr wenig Erfahrung auf diesem Ge-
biet, keine leichte Aufgabe.
Erste Priorität hatte ein regelmäßiges Training. Dazu wurde festgelegt, dass 2x pro Woche trainiert werden sollte. Da Uwe Nagel im 24 Stunden-Schichtrhytmus ar-
beitete, hatte Adolf Kämmerer die Plicht das Training abzusichern, wenn Uwe nicht da war. Das gelang auch und Trainingsausfälle gehörten nun der Vergangenheit
an. Die zweite Aufgabe hieß Nachwuchsgewinnung. Schulmeisterschaften mussten organisiert werden. Das gelang mit Hilfe der Hauptsportlehrer der beiden Ober-
schulen in Braunsbedra recht gut. Auch die Tätigkeit von Adolf Kämmerer als Kampfrichter erleichterte die Aufgabe wesentlich. Das Ergebnis konnte sich auch erst
mal sehen lassen. Die Kinder kamen zwar nicht in Strömen, aber es war ein leichter Trend nach oben zu verzeichnen.
Als Übungsleiter stand für eine gewisse Zeit Günther Plamitzer zur Verfügung. Er erledigte seine Aufgabe wirklich gut, doch leider hatte auch er seinen Wehrdienst
abzuleisten. Damit standen Uwe Nagel und Adolf Kämmerer wieder alleine da. Sigurd Kummer konnte danach für kurze Zeit als Übungsleiter gewonnen werden.
Doch er mußte die Aufgabe bald aus persönlichen Gründen wieder aufgeben.
Es war wie verhext. Eine dauerhafte Unterstützung für die beiden Übungsleiter konnte nicht gefunden werden. Die Anzahl der Sportler pegelte sich bei etwas über 15
ein, denn trotz jährlich durchgeführter Schulmeisterschaften hatte die Sektion Ringen leider nur sehr wenig Zulauf.
Trainiert wurde natürlich ordentlich. So konnte die kleine Abteilung auch ihre kleinen Erfolge erzielen. Beim Glauchauer Werner-Seelenbinder-Gedenkturnier im Jahr
1984 belegten die Geiseltaler den 6. Platz in der Pokalwertung. Sportler die es schafften in der Bezirksspitze mitzukämpfen, waren Christian Schmidt und Uwe Zapp.
Letzterer wurde auch Bezirksspartakiadesieger und konnte nach Halle an die Sportschule delegiert werden.

Zweimal im Jahr wurde ein Trainingslager organisiert. Während der Winterferien für eine Woche in Braunsbedra und in den
Schulferien im Mai in Bad Klosterlausnitz. Hier schlossen sich die Ringer mit einigen Sportlern den Abteilungen Leichtathle-
tik und Fußball an.
Im Jahr 1985 entschloss sich Axel Thiele in der Sektion Ringen mitzuarbeiten. Er wohnte seit zwei Jahren in Braunsbedra
und hatte als Kind bzw. Jugendlicher bei IMO Merseburg trainiert. Mit seiner Unterstützung kam frischer Wind in die Sektion
Ringen. Die Trainingszeiten konnten noch besser abgesichert werden und die Qualität des Trainings wurde ebenfalls ge-
steigert. Im Jahr 1986 löste Axel Thiele Walter Rotermund als Sektionsleiter ab.
Der nächste Sportler der zum SC Chemie Halle ging, war Mario Bahn. Er belegte z.B. einen dritten Platz bei der DDR- Spar-
takiade. Das er für lange Zeit der letzte Sportler sein sollte der im Jahr 1986 von den Geiseltaler Ringern nach Halle an die
Sportschule ging, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner.
1989 beendete Carsten Cechol seine Laufbahn beim Sportclub in Halle. Er unterstützte von da an die Übungsleiter in

Braunsbedra und brachte Leben in die Jugendabteilung. Einige seiner ehemaligen Sportkameraden in Braunsbedra kamen wieder zum Training und auch neue Ge-
sichter waren darunter. Es lohnte sich separate Trainingszeiten für die Jugendlichen festzulegen.
Im Herbst des Jahres 1989 überrannte der politische Umbruch in der DDR auch alle gesellschaftlichen und sportlichen Bereiche. Die BSG Aktivist Geiseltal-Mitte
blieb davon nicht verschont. Alles war von einem auf den anderen Tag anders. Das barg Gefahren, öffnete aber auch völlig neue Wege und Perspektiven. Was zu die-
sem Zeitpunkt richtig war und was falsch, konnte keiner mit Bestimmtheit sagen.

Trotzdem, dass Adolf Kämmerer in dieser Zeit seine Übungsleitertätigkeit aus persönlichen Gründen beendete, konnte der
Trainings- und Wettkampfbetrieb unverändert aufrecht erhalten werden. Für die Sektion Ringen ging es sogar erstmal noch
ein klein wenig Berg auf und das nicht nur auf sportlichem Gebiet. Am Anfang des Jahres 1990 konnten für die Ringer z.B.

neue Trainingsanzüge beschafft werden, sogar mit eigenem Logo.
Im  Frühjahr des Jahres 1990 bekam Carsten Cechol seinen Einberufungsbefehl zur Armee.
Damit wurde es für Axel Thiele und Uwe Nagel schwer alle Trainingszeiten abzusichern. Die Ju-
gendlichen blieben nach und nach auch wieder dem Training fern.
Mit der Vereinigung zu einem Gesamt-Deutschland am 3. Oktober 1990 kehrten langsam wie-
der geordnete Strukturen in den sportlichen Bereich zurück. Dadurch wurde es allerdings nicht

leichter für die Vereine, sondern eher schwieriger. Vor allem finanzielle Dinge mussten mehr und mehr durch Sponsoren geregelt wer-

den. Die einzelnen Abteilungen waren dabei vorwiegend auf sich allein gestellt.
Mit Beginn des Jahres 1991 stellte Axel Thiele seine Übungsleitertätigkeit aus persönlichen Gründen ein. Damit war Uwe Nagel auf sich allein gestellt. Die Sektion
Ringen aufzugeben, dazu war er allerdings noch nicht bereit. Noch waren genügend Schüler interessiert weiter zu trainieren. Wettkämpfe wurden allerdings außen
vor gelassen, denn alles konnte eine Person nicht bewältigen. Die Trainingszeiten wurden umorganisiert. Durch den 24 Stunden- Schichtrhytmus, in dem Uwe
Nagel arbeitete, konnte in der einen Woche Montag und Freitag trainiert werden, in der nächsten Dienstag und Donnerstag, u.s.w. Nach kurzer Eingewöhnungszeit
funktionierte das System prima. So wurde zumindest der Trainingsbetrieb noch für eine ganze Weile aufrechterhalten. Erst Ende des Schuljahres 1993, als absolut
keine Aussicht mehr auf eine Besserung der Situation bestand, gab Uwe Nagel auf. Die Zahl der Trainierenden war auf 5 geschrumpft. Der Trainingsbetrieb wurde
eingestellt. Die Sektion Ringen bei der BSG Aktivist Geiseltal-Mitte gab es nicht mehr.

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nabhäng von allem Geschehen ergriff im Jahr 2001 ein Mann die Initiative, der bisher mit dem Ringen in Braunsbedra noch nichts
zu tun hatte. Sven Thiele.
Er stand damals noch aktiv auf der nationalen und internationalen Ringkampfbühne. National war Sven zehnfacher amtierender

Deutscher Meister und er kämpfte in der 1. Bundesliega für die Mannschaft „RWG Halle-Merseburg-Leuna“. International befand er sich
gerade in der Vorbereitungsphase für die Weltmeisterschaften im Freien Ringkampf in Teheran. Ursprünglich stammt Sven Thiele vom
Verein „IMO Merseburg“, wo er 1979 mit dem Ringen begann und 1982 zur Sportschule nach Halle wechselte. Nach der Wende, 1990,

zog es ihn dann in die westlichen Bundesländer, nach Witten. Dort kämpfte Sven für den „KSV Witten“ und kam auch bei diesem Verein zu seinen größten internatio-
nalen Erfolgen. Im Jahr 1998 kehrte er wieder zurück in den Osten Deutschlands, nach Halle, und 1999 zog er nach Braunsbedra um sich dort mit seiner Familie ei-

eine  Existenz aufzubauen.
Im Jahr 2001 also führte Sven erste Gespräche mit Volker Schäfer, dem Vereinspräsidenten des „RSV Merseburg“, ob es möglich wäre,
in Braunsbedra einen Trainingsstützpunkt zu gründen.
Das Erhard Bierschenk, ein erfahrener Ringer und Übungsleiter aus Braunsbedra, zu diesem Zeitpunkt bereits erfolgreich die Mersebur-
ger Schüler und Jugendlichen trainierte kam dem Vorhaben noch zu Gute. Parallel dazu nahm er Kontakt zu ehemaligen Ringern der
BSG „Aktivist“ Geiseltal Mitte auf. Das waren Uwe Gerth, Carsten Cechol und Uwe Nagel. Alle drei waren erfolgreiche Sportler und
Übungsleiter der damaligen Sektion Ringen, aber auch drei Sportler  die `eigentlich´ schon mit dem Ringkampf abgeschlossen hatten
und ihre privaten Wege gegangen waren. Diese Gespräche wiederum verliefen mit sehr unterschiedlichem Erfolg, denn nicht alle waren
gleich begeistert von dieser Idee. Immerhin, von der Idee über deren Umsetzung bis hin zu einer stabilen Abteilung ist es ein weiter und
beschwerlicher Weg. Sehr viel Engagement ist nötig für eine solche Arbeit und auch Entbehrungen müssen hier und da hingenommen
werden. Die Vergangenheit hatte es gezeigt, wenn nicht alle an einem Strang ziehen oder gar die Lust oder den Mut verlieren sich der
Aufgabe zu stellen, ist die ganze Sache dem Untergang geweiht.

Mit diesen Gedanken ging wohl für jeden der vier das Jahr 2001 zu Ende.
Anfang des Jahres 2002 nahmen Sven Thiele und Erhard Bierschenk Kon-
takt auf zur Schuldirektorin der Lessing- Grundschule Braunsbedra, Katrin
Arndt. Denn es musste eine Trainingsstätte gefunden werden, genauso wie
Trainingsmittel, also eine Ringermatte. Während der Gespräche kam man
überein, in der Grundschule eine „AG- Ringen“ ins Leben zu rufen und das
ganze mit einer Schulmeisterschaft zu begründen. In diesem Atemzug einig-

ten sich die angesprochenen Personen Uwe Gerth, Carsten Cechol, Uwe Nagel und Sven Thiele das Unternehmen anzugehen. Um das Quartett zu unterstützen,
wurde Erhard Bierschenk mit ins Boot geholt. So ergab es sich nun, dass sich eine Hand voll Übungsleiter, nach 9-jähriger Ringkampfsportpause in Braunsbedra,
im Frühjahr des Jahres 2002 dazu entschlossen, eine neue Abteilung Ringen in Braunsbedra zu gründen. Das ganze geschah unter der Schirmherrschaft des „RSV

Merseburg“, als dessen Stützpunkt.
Mit sehr viel Engagement, auch von Seiten der Schule, wurde dann am 13. März 2002, Nachmittag 13.00 Uhr, die erste Schulmeister-
schaft im Freien Ringkampf in der „Lessing-Grundschule Braunsbedra“ durchgeführt. Diese Meisterschaft konnte als Gründungsveran-
staltung der Abteilung Ringen und der AG-Ringen angesehen werden.

Leider mußte nach ca. 3 Monaten Übungsleitertätigkeit der Sportfreund Gerth aus beruflichen
Gründen das Team verlassen. Doch Ersatz war Gott sei dank schnell gefunden. Andre´ Krenkel, ebenfalls ein ehemaliger Ringer aus Braunsbedra erklärte sich bereit in die Abteilung einzu-
steigen und den Posten zu übernehmen. Nicht zuletzt deshalb weil seine Tochter, Jenny Krenkel

seit der ersten Schulmeisterschaft mit Begeisterung zum Training
kam.
Schnell stellten sich erste Erfolge ein. Erst bei Landesmeister-
schaften und später auch bei Mitteldeutschen Meisterschaften. Bis
zum Jahr 2005 konnten die Geiseltaler Ringer 11 erste Plätze, 21

Foto Mitteldeutsche Zeitung vom 15. März 2002, Mit freundlicher Geneh- migung von Peter Wölk

zweite Plätze und 9 dritte Plätze bei Landesmeisterschaften belegen. Bei Mitteldeutschen

Meisterschaften waren es 3 erste, 2 zweite und 3 dritte Plätze. Fünf mal hatten Sportler bis zu diesem Zeitpunkt an Deut-
schen Meisterschaften teilgenommen. Bisher jedoch noch ohne Erfolg.
Im Jahr 2004 musste Erhard Bierschenk seine Übungsleitertätigkeit aus Gesundheitlichen Gründen einstellen. Da er aber
für die Merseburger Sportler verantwortlich war, hatte das nur wenig Auswirkung auf das Training in Braunsbedra.
Gegen Ende des Jahres 2005 zogen dunklere Wolken auf, beim RSV Merseburg. In Vorbereitung der Vereinsleitungswahlen
kündigte Volker Schäfer seinen Rückzug als Vorsitzender des Vereins an. Beim Trainings- und Wettkampfbetrieb und der
Kinder- und Jugendarbeit herrschten sehr unterschiedliche Auffassungen zwischen den Merseburger und den Braunsbedra-

er Übungsleitern. Durch diese Umstände sahen die Verantwortlichen des Stützpunktes Braunsbedra die Lage als kritisch für eine weitere Zusammenarbeit an. Des-
halb entschloss man sich neue Wege zu gehen. Die Initiative dafür ging von Sven Thiele aus. Er führte erste Gespräche mit Verantwortlichen des „SV Braunsbedra“
und auch mit dem damaligen Bürgermeister Frank Gebhardt. Die Übungsleiter aus Braunsbedra waren sofort mit seinem Vorhaben einverstanden. Das Ziel war ei-
ne neue „Abteilung Ringen“ beim SV Braunsbedra zu gründen und das noch im Jahr 2005. Es blieb also nicht viel Zeit und alles musste sehr schnell gehen. Das

Wichtigste bei der ganzen Sache waren die Kinder. Würden die Eltern bei einer solchen Änderung mitmachen ? Eine Elternversamm-
lung wurde einberufen, die Situation und das Ziel erläutert, das Für und Wieder abgewägt. Die Zustimmung des SV Braunsbedra, eine
neue Abteilung gründen zu können, lag zu diesem Zeitpunkt bereits vor. Das dieses Vorhaben beim RSV Merseburg Verärgerung verur-
sachte, kann man sich gut vorstellen. Schließlich schickte sich das Zugpferd des Vereins an eigene Wege zu gehen. Doch die Ziele wa-
ren gesteckt, ein zurück gab es jetzt nicht mehr und letztlich wurde auch mit den Merseburgern eine sportlich faire Lösung gefunden und

vereinbart. So kam es, dass sich der „Stützpunkt Braunsbedra“ nach reiflicher Überlegung, fast einhelliger Zustimmung der Eltern und einem riesen Haufen Papierkram, mit Wirkung vom

30.11.2005 vom "RSV Merseburg" trennte. Die neue „Abteilung Ringen“ des SV Braunsbedra wurde mit Wirkung vom 01.12.
2005 ins Leben gerufen.
In den Jahren 2006 und 2007 kämpften Braunsbedraer Sportler zusammen mit Sportlern aus Leuna und Halle in einer
Mannschaft in der Landesliga von Sachsen Anhalt. Erfolge blieben aber leider aus. Die Gründe hierfür waren verschiedener
Natur. Ungenügende Trainingsbeteiligung, mangelnde Einsatzbereitschaft speziell bei Auswärtskämpfen. Nicht selten fuhr
man mit einer absoluten Notbesetzung zum Wettkampf. Eine Beteiligung Hallescher Ringer war nicht mehr existent. Da in
dieser Hinsicht keine Aussicht auf Besserung bestand, kamen die Verantwortlichen überein, die Mannschaft im folgenden

Jahr aus der Liga abzumelden.
Im März des Jahres 2007 hatte die Abteilung Ringen ein kleines Jubiläum zu bege-
hen. 5 Jahre war es nun schon wieder her, als man sich entschloss, wieder mit dem
Ringen in Braunsbedra zu beginnen.
Das Jahr 2008 war das bis dahin erfolgreichste nach dem Neubeginn im Frühjahr
2002. Es konnten insgesamt 13 Landesmeistertitel erkämpft werden. Weiterhin wa-
ren ein zweiter Platz und zwei dritte Plätze zu verzeichnen. Bei den Mitteldeutschen
Meisterschaften im Freien Ringkampf schafften es 4 Sportler den Meistertitel zu er-
ringen. Mit diesen Ergebnissen nominierte die Abteilung Ringen 4 Kämpfer zu den
Deutschen Meisterschaften. Sebastian Brehme schaffte es leider nicht, sich unter die

ersten Zehn vorzukämpfen. Brian Bliefner kam auf den 9. Platz. Die Überraschung aber, waren zweifellos Erik Thiele und Jan
Richtsteig. Jan konnte bei seinen dritten Deutschen Meisterschaften den 3. Platz in der Jugend B bis 63 kg belegen. Erik
brachte das Kunststück fertig, bei seiner ersten Deutschen Meisterschaft, in der Jugend C bis 54 kg, den Titel zu erkämpfen.
Einige Wochen zuvor schaffte es Eriks Vater, Sven Thiele, den Deutschen Titel bei den Männern bis 120 kg zum 17. mal in

Folge nach Hause zu holen.
Mit diesen Leistungen, von der Landesmeisterschaft bis hin zur Deutschen Meisterschaft, war die kleine Abteilung Ringen des SV Braunsbedra zur besten Abteilung
in Sachsen-Anhalt im Jahr 2008 aufgestiegen. Auch in den Jahren danach bis zum heutigen Zeitpunkt (März 2011) konnten immer wieder gute Leistungen erzielt

werden. Erik Thiele eifert seinem Vater Sven in allen Punkten nach. Er konnte sich bisher den Deutschen Titel 4x in Folge erkämpfen. Das letzte mal am 20. Februar 2011 in der Jugend A bis 85 kg. Nun peilte er seine erste Europameisterschaft bei den Kadetten an. Auf das Ergebnis konnte man gespannt sein.

Der Höhepunkt des Jahres 2009 war gleichzeitig eine Premiere. Die Verantwortlichen Sven
Thiele, Carsten Cechol, Andre´ Krenkel und Uwe Nagel hatten sich entschlossen, einen Pokal-
wettkampf in Braunsbedra ins Leben zu rufen. Nach gründlicher Vorbereitung fand am 13.09.
2009 der 1. Geiseltal-Cup im Freien Ringkampf statt. 22 Vereine nahmen an dieser Premiere
teil. Sieger waren am Ende die Sportler vom AC Werdau. Die Kämpfer vom SV Braunsbedra ka-
men, nur knapp geschlagen, auf den 7. Platz.
Im Jahr 2010 gab es eine weitere Überraschung. Jenny Krenkel erkämpfte sich bei ihrer ersten
Deutschen Meisterschaft die Silbermedaille. Sie ist damit die erste Medaillengewinnerin im
weiblichen Ringkampf aus dem Geiseltal. Im Jahr 2011 schaffte sie es auf den 6. Platz und be-
stätigte damit ihre Zugehörigkeit zur Deutschen Spitze.

S

chlusswort

Dieser Rückblick auf die Geschichte des Ringkampfsports im Geiseltal wurde mit großer Sorgfalt von einer Person erarbeitet, die diese gesamte Zeit nur zu ei-
nem Teil miterleben durfte. Die Geschehnisse speziell ab dem Jahr 2001 wurden in dieser Schrift nur sehr gerafft dargestellt. Eine ausführlichere Version dieser

Chronik mit mehr Text und viel mehr Bildern kann bei der Abteilung Ringen des SV Braunsbedra eingesehen werden. Die genaue Aufarbeitung aller Geschehnisse,
speziell aus der Anfangszeit, erwies sich als sehr schwierig, ja fast unmöglich. Viele Unterlagen, Schriftstücke, Urkunden, Pokale und ähnliches sind im Laufe der
Zeit verloren gegangen. Speziell in der Wendezeit, Anfang der neunziger Jahre, glaubte man alles vernichten zu müssen was der Vergangenheit angehörte. Ein neu-
er Anfang sollte gemacht werden und das um jeden Preis. Aus heutiger Sicht ein gravierender Fehler.
Geschichte gehört zu einem Sportverein wie das Wasser zum Leben. Durch die eigene Geschichte lebt ein Verein. Und wie man lesen konnte, hatten die Geiseltaler
Ringer eine sehr bewegte Geschichte mit Höhen und Tiefen. Auch deshalb wurde diese Schrift verfasst und um die jüngste Vergangenheit erweitert, so dass auch
künftige Generationen noch sagen können.

„Damals vor vielen Jahren …“.

Helfer:
Rudolf Burkhardt
Willi Teubner
Lothar Fischer
Achim Wirsing
Arno Dübler
Edgar Kämmerer
Adolf Kämmerer
Wolfgang Quente
Wolfgang Müller
Werner Böhme
Dirk Böhme
Ingo Böhme


Uwe Gerth
Katrin Arndt
Marco Kunze
Edith Rotermund
Axel Thiele
Siegfried Germann
Monika Germann
Ina Thiele
Sven Thiele
Erhard Bierschenk
Andre´ Krenkel
Carsten Cechol

Quellen:
Archiv der Stadt Braunsbedra
Internet: Wikipedia
Internet: Wikimedia / Bundesarchiv
Internet: Sport Komplett
Buch: „Unser Braunsbedra“
           vom Geigerverlag / 1992

Autor:
Uwe Nagel

1. Auflage, Braunsbedra, 31.03.2011

P.S.: Jeder der Hinweise, Veränderungen oder Ergänzungen zu einem Zeitabschnitt machen kann, oder wer Material besitzt das man einarbeiten kann, wendet sich
bitte an die Abteilung Ringen des SV Braunsbedra, so dass es in der 2. Auflage berücksichtigt werden kann
.

 
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